Montag, 26. Juli 2010Kommentare (0) Trackbacks (0) Duisburg - ein Liverpool 3.0Ein Tunnel als Zugang und Abgang - die Veranstalter der Loveparade in Duisburg am 24. Juli 2010 von der Lopavent GmbH aus Berlin hätten wissen können, wie das endet; nämlich in einer tödlichen Falle. Eine bestechende Blaupause der Duisburger Tragödie liegt über 20 Jahre zurück.
Das Halbfinale im englischen Fußballcup FA steigt 1989 zwischen Nottingham Forest und dem FC Liverpool, ausgetragen im Hillsborough-Stadion in Sheffield. Das Fassungsvermögen liegt bei knapp 40 000 Plätzen. Von Schwarzhändlern wurden an jenem Tag weit mehr Karten verkauft, als Plätze auf den Stadionrängen vorhanden waren. Somit drängten viele tausend Fans ins Stadion, ohne dass man für sie Platz hatte. Der Ausgang aus der Sackgasse war damals ein Tunnel; eine Einbahnstraße in eine zweite Sackgasse. Trotzdem die Polizei den Innenraum zum Spielfeld wegen der dramatischen Szenen auf den Rängen öffnete, strömten viele Fußball-Fans durch diesen Tunnel, um wieder aus dem Stadion kommen zu können. Dieser Irrglaube kostete 96 Menschen das Leben. Auch hier hielt ein Tunnel genau wie in Duisburg den Massen nicht stand; es waren einfach zu viele Menschen auf zu wenig Fläche unterwegs. Seit dieser Tragödie vor 21 Jahren wurde "You'll never walk alone" zur Liverpooler Fan-Hymne. Der FC Liverpool selbst war damit nur vier Jahre nach der Zuschauer-Katastrophe im Brüsseler Heysel-Stadion von 1985, bei der 39 Menschen aus einem ähnlichen Grund wie in Sheffield oder Duisburg starben, beim Europakpokalfinale gegen Juventus Turin zum zweiten Mal an einem tödlichen Ereignis beteiligt. Duisburg ist nicht Liverpool, aber dafür Liverpool 3.0. Die zweifelhafte Ehre hätten sie auch ohne Liverpool verhindern müssen. Vielleicht fehlte dazu der Wille bei den Verantwortlichen. Mittwoch, 14. Juli 2010Kommentare (0) Trackbacks (0) Bahn und DFB - zwei KlimakatastrophenWas haben der Deutsche Fußball-Bund, auch DFB genannt, und die Deutsche Bahn gemeinsam? Abgesehen von ihrer Herkunft, die sie im Vornamen tragen, bieten beide ein Chaos im Sommer 2010.
Während bei der Bahn die Klima-Anlagen ausfallen, die Passagiere reihenweise bei über 50 Grad Celsius kollabieren, tobt auch beim DFB die Klimakatastrophe. Bleibt Joachim Löw Bundestrainer? Wird Mediendirektor Harald Stenger entsorgt? Zwischen dem Außer-WM-Kapitän Michael Ballack und dem WM-Kapitän Philipp Lahm tobt ein rhetorischer Krieg über die Frage, wer jetzt das Sagen hat. Ballack oder Lahm? Ballack brüllt aus Leverkusen, seiner neuen alten Fußball-Heimstatt: "Ich bin Kapitän." Noch aus Südafrika, dem WM-Land, blaffte der seit heute Frischvermählte Lahm: "Ich will Kapitän bleiben." Um dann aber ein paar Tage später klein zu verlautbaren, die Medien hätten ihn zu der Aussage gezwungen. Oh, die Medien zwingen Lahm, und das gleich mehrfach, nämlich hier, hier und hier. Warum hat eigentlich niemand von den Medien Lahm gezwungen, die Mannschaft als Kapitän nach Berlin im Anschluss an die WM zu bringen, damit sie sich bei den Fans für die vierwöchige Unterstützung auf den Jubelmeilen des Landes bedankt und so die Fans ihren Idolen nochmals vor dem Abschied in den dann verdienten Urlaub zujubeln können. Nun ja, Spanien hatte allen Grund zum Feiern. Welcher Weltmeister hätte das nicht? Klar, die Holländer haben geweint nach ihrer dritten Finalniederlage und haben sich hernach von ihrer Königin Beatrix und ihren Oranjes an den Grachten trösten lassen - ein Riesenspaß. Und Uruguay, ja, die haben auch mit den Ihren geschunkelt - Platz 4. Platz 4, die Holzklasse haben sie mit einem Buskorso durch Montevideo begangen. Und die deutsche, von WM-Kapitän Lahm angeführte Mannschaft? Sie floh durch den Hinterausgang am Flughafen Frankfurt/Main nach der Rückkehr aus Südafrika. Die Folge sind atmosphärische, also klimatische Störungen bei den wartenden Anhängern: "Wir sind enttäuscht von euch, wir sind enttäuscht von euch, wir sind, wir sind enttäuscht von euch." Ja, das Dumme und Logische daran ist, das reimt sich. Böses Deutsch. Wer hat die Fanflucht den deutschen Spielern nur suffliert? Wer war der Whistle-Blower für den würdefreien Abgang am Flughafen? Es hieß, der Mannschaftsrat habe es in Südafrika beschlossen; Lahm, Arne Friedrich, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose also. Die waren's. Diese vier entscheiden über den horrenden Kolateralschaden, den die Mannschaft damit angerichtet hat. Vier gegen mehrere Millionen Fußballfans und Deutschlandtrikotträger, die auf den Fanmeilen in tausenden Kilometern Entfernung ihre letzten Kräfte bei glühender Sommerhitze für ihre Idole aufbrachten? Die hatten es hingegen derweil ja angenehm kühl im südafrikanischern Winter. Das wahre Versagen liegt jedoch nicht bei den Spielern, nicht bei Philipp Lahm, der heute seine Claudia ehelichte. Lahm hatte immerhin mit seiner Hochzeit ein schweres Motiv, sich gegen Berlin und für sein privates Sommermärchen im bayerischen Aying statt für das kollektive Sommermärchen zu entscheiden. Ja, in der Provinz ist es warm und gemütlich. Versagt hat das Management des DFB, versagt haben Oliver Bierhoff und sein vorgesetzter, oberster Fußballfunktionär Theo Zwanziger. Bundestrainer Joachim, Jogi gerufen, Löw schweigt. Ihnen drei ist der veritable Aussetzer zuvorderst anzulasten, dass die Mansnchaft nicht bei den Fans, sondern in den Armen der Frauen landete und dort privat feierte. Managerversagen suppt durch Deutschland; durch die Bahn, den DFB, die Banken. Man hätte es ahnen können. Es ist schon bezeichnend, dass sowohl bei der Detuschen Bahn als auch beim Deutschen Fußball-Bund die Mitarbeiter das Marketing des Produktes bestimmen; die hilflosen Zugbegleiter genauso wie die flüchtenden Spieler, während sich die Manager ducken, Ausreden suchen und Ablenkungsmanöver starten. Der Imageschaden wächst, weil zudem nicht klar wird, wer ist wann für was zuständig, also verantwortlich. Warum beschäftigt also der DFB einen Oliver Bierhoff als Manager? Was außer der Hitzeopfer-Seite unternimmt die Deutsche Bahn, um ihr Problem an den Klima-Anlagen nachhaltig zu lösen? In erstere Linie rätseln derzeit die Reisenden darüber, wann es sie erneut treffen wird, welcher Zug wieder keine klimafreundliche Zone hat. All das kostet Geld und, schlimmer noch, Ansehen. Das Kommunikationsdesaster nach der Fanfeierabsage der detuschen Nationalspieler folgte dann genauso folgerichtig wie unausweichlich: Heute musste sich die Mannschaft bei den Fans via Webseite - durch Philipp Lahm - für ihre Fanflucht entschuldigen - aus der Ferne des weltweiten Netzes, ganz ohne Tuchfühlung. Es hätte ja zur Fa(ei)n(d)berührung kommen können. Nun, dafür werden woanders, bei diesem Ausmaß Millionen Fans, also Millionen Kunden, vors Schienbein getreten zu haben, Leute gefeuert. Nur: Auch bei der Deutschen Bahn sind noch keine Manager-Köpfe wegen der Klimakatastrophe gerollt. Was lehrt uns das? Zumindest eines: Am Ende kommt noch immer alles raus und schlägt als Boomerang zurück. Möchte Ballack, der Kapitän a. D., wirklich noch der Anführer dieser Mannschaft sein, die so vor den eigenen Fans gar jammervoll versagte? Vor vier Jahren wollte einer partout nicht in die Hauptstadt Berlin nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei der WM 2006 im eigenen Land aus Stuttgart - dem Spielort um Platz 3 - mit dem unterhaltsamen 3:1-Sieg gegen Portugal Richtung Berlin reisen: Michael Ballack. Durchgesetzt hatte sich damals die Mehrheit der Spieler; die Mehrheitsmeinung beispielsweise eines diesmal abwesenden, weil nicht-wm-nominierten Torsten Frings. Nachzuschauen in dem Sönke-Wortmann-Streifen "Deutschland - ein Sommermärchen". Gute Besserung, liebe Deutsche Bahn, danke, lieber Bräutigam Lahm, viel Vergnügen, Herr Ballack! Donnerstag, 24. Juni 2010
Ballack - weg da! Geschrieben von Cujau
in Bafana Bafana 2010 um
20:14Kommentare (0) Trackbacks (0) Ballack - weg da!Der Zusammenprall der Kulturen führt zu famosen Erkenntnissen und skurillen Begegnungen. Hier in Marokko, dem Land der Berber und Araber, können sie gelassen und zurücklehend die Fußball-WM in Südafrika betrachten. Das Königreich (Mohammed VI. oder einfach M6) ist gar nicht erst qualifiziert, Erzrivale Algerien frühzeitig ausgeschieden, Frankreich, die einstige Besatzungsmacht auch, Deutschland, das hier jeder zu lieben scheint, weil sie einen in den Basars beinahe auf hochdeutsch ansprechen, in der Runde der besten 16 und als nächstes gegen England tätig. Man freut sich auch hier darauf.
Eine große Kollision haben sie in Marokko hingegen ins Fernsehen verlegt. Denn da taucht passend zum Deutschland-Spiel gegen Ghana Lothar Mattäus - unser aller ewiger Loddar - im ersten Programm als Fußball-Experte auf. Immerhin ist er damit im richtigen Ressort. Alles andere wäre von uns an Toleranz ja auch zu viel verlangt. Nur: Man weiß das hier in Marokko weniger; vielmehr wissen sie, Mattäus ist nicht der Apostel, sondern Weltmeister von 1990. Also mindestens so prominent wie seine Majestät M6. Was der Loddar dann auch so sagte zum Spiel der Alleman gegen Ghana war nichtg wirklich spielentscheidend. Wichtiger: Er war gut gekleidet, hatte also offenkundig gute Manieren und konnte zu jeder Frage reden. Was er gesagt hat, blieb ungehört; bei dem Krawall in jenem Café in Fes beim hiesigen public viewing. Interessanter verläuft hier die Geschichte mit einem, der gar nicht anwesend ist; weder in Südafrika noch in Marokko; mit Michael Ballack. Dazu muss man wissen, in den Altstädten der arabischen Welt, also auch in Marokko, ist es vielfach eng, stickig, die Luft dringt nur selten bis zum Boden vor, die Gassen geben wenig Blicke zum Himmel frei, weil sie gersäumt sind mit Läden, Menschen, Fahrzeugen und Tieren - beiderlei aller Art. Nun erklärt der geduldige Führer durch die Gassen, dass der Ballack hier ein vielverwendeter Ausruf ist. "Ja", und er lacht dabei. "Ballack ist ein arabischer Ruf und bedeutet: Weg da!" Meist rufen das jene Viehtreiber, die einen Esel oder ein Maultier vor sich herlaufen haben, um damit der Umgebung mitzuteilen, dass sie jetzt Platz brauchten, sie jetzt kämen, man jetzt Platz machen möge. "Ballack" eben. Unser Altstadtführer - ein weltgewandeter Mann - kennt natürlich den deutschen Fußballer Ballack. Deswegen muss er auch schmunzeln bei der Geschichte. Ob die Berber und Araber, die ihr "Ballack" ertönen lassen, das auch so drauf haben, überliefert der Altstadt-Führer nicht. Dennoch: Ballack ist hier in den Altstadt-Souks Marokkos also ein ständig Erwähnter; wenn auch nicht als Fußballer. Als solcher ist er ja aber auch in Südafrika derzeit nicht tätig. Dienstag, 22. Juni 2010Stellung in der Stallung
So ein hübscher freudscher Bock - Stallung statt Stellung - Spiegel Online zur Affäre mit US-General McChrystal wegen dieser Story im Rolling-Stone-Magazin.
Sonntag, 20. Juni 2010
Spiegel Online macht uns den Prince ... Geschrieben von Cujau
in Bafana Bafana 2010 um
21:23Kommentare (0) Trackbacks (0) Spiegel Online macht uns den Prince BoatengDie Empörung über den Auftritt von Kevin-Prince Boateng auf unserem aller Michael Ballack war veritabel und groß. Der Nachtritt von Spiegel Online legt da allerdings noch einen drauf; frei nach dem Motto: Liegt einer am Boden, dann gleich noch mal drauftreten, damit er auch wirklich liegen bleibt - ein echter Boateng von Spon.
Immerhin: Trotz seiner WM-Abstinenz wird Ballack so nicht ganz vergessen. Allerdings wird man das Gefühl beim Lesen dieses Beitrages nicht los, dass der Populismus auch bei Ihnen um sich greift. Doch zunächst lägen sie nicht mal falsch, Sie schreiben schlichtweg Unsinn. Und zwar so: "Zum ersten Mal seit dem Scheitern in der Zwischenrunde der WM 1978 in Córdoba, müsste die deutsche Mannschaft bereits vor den K.o.-Spielen nach Hause fahren." Wie halbherzig und ausweichend. 1978 hat es nach den Gruppenspielen der WM in Argentinien eine Zwischenrunde gegeben. Dass bei einem nunmehrigen Scheitern eine deutsche Mannschaft so schlecht abschneiden würde wie damals, entspricht wohl kaum den Tatsachen. Jene 78er Runde kann mit einem Achtelfinale wenig gleichgesetzt werden; vielmehr und wenn überhaupt dann mit einem WM-Viertelfinale. Mindestens bei einem Unentschieden hätte die deutsche Mannschaft damals im abschließenden Spiel gegen Österreich den zweiten Platz in der Zweitrundengruppe A belegt und wäre statt Italien ins WM-Halbfinale eingezogen. Die 1978er 2:3-Niederlage der helmutschönschen Deutschen gegen Österreich hat aber, wie wir wissen, eine andere Geschichte geschrieben; keineswegs jedoch eine, die eine schlechtere Bilanz ausweist als die 1962er, 1994er oder 1998er WM, bei der eine deutsche Mannschaft jeweils ins Viertelfinale einzog und dort scheiterte. Also: Ein Ausscheiden einer deutschen Mannschaft in der aktuellen WM-Vorrunde muss als das historisch miserabelste Ergebnis gelten und ist fürderhin so einmalig wie singulär, seit es eine deutsche Mannschaft bei einer WM gab oder gibt. Dass nun noch der Ex-WM-Spielführer Michael Ballack durch einen überhöht dargestellten WM-Spielführer Philipp Lahm postboateng entsorgt wird, zeugt von wenig Sensibilität und Realität. Mal abgesehen von albernen Plattitüden wie Lahm sei "das Gegenstück" zu Ballack oder gar "der Anti-Ballack". Der Anti-Christ, was? Also was jetzt? Das Gegenteil von Ballack oder ein Kämpfer gegen Ballack? Klar ausdrücken war gestern. Eher wohl: Nichts von beidem ist Lahm. Er ist schlicht der Nachrücker als Mannschaftskapitän und bringt dabei seine eigenen Kompetenzen und Qualitäten mit. So einfach kann das nämlich sein. Spiegel Online macht's kompliziert und falsch. Warum? Deshalb: Ohne das dumme Geschrumbel über einen irgendwie "Anti-Ballack" Lahm gäbe es keine Story. Denn man fragt sich die ganze Zeit, wo ist sie, die Story? Sämtliche Anti-Ballack-Thesen greifen nicht. Gelassenheit bei Lahm statt was bei Ballack? Zurückhaltung bei Lahm? Wie bitte? Wollte er nicht die Mannschaft zum Titel führen? Nachzusehen und -zuhören ist das hier in der ZDF-Mediathek. Somit greift dieses Argument wenig mit ohne stichhaltige Belege. Ballack hingegen äußerte sich vorsichtiger. Wie man beispielsweise hier nachlesen kann. Gleichwohl hat Lahm genau das Richtige betont; Ballack hätte nicht mehr und nicht weniger gesagt als Kapitän zum jetzigen Zeitpunkt Nur wie gesagt, hier würde es dann keine Story geben. Der Kollegin ist offenbar nichts Besseres als der unpassende Vergleich zweier gleicher Spielerpersönlichkeiten eingefallen. Nur bei Gleichheit gibt's nunmal nicht zu polarisieren. Dumm, denn es gibt dann keinen Anti-Ballack ohne Story. Nur einen veritabel kopierten Prince Boateng durch Spiegel-Online gegen Ballack. Dünn, sehr dünn. Gute Besserung! Mittwoch, 2. Juni 2010Happy 90, MRR!Wer, wenn nicht Marcel Reich-Ranicki, könnte uns dieselbe Prozedur liefern wie jedes Jahr und sie würde dennoch nie an Unterhaltungswert verlieren. Da wird einer 90, der mal sagte, nachdem er gefragt wurde, ob er auch ein Telefonbuch kritisieren könne, nein, das könne er nicht, es sei ja ein Buch, und er sei ja kein Buchkritiker, sondern ein Literaturkritiker.
Was umgekehrt heißt, Telefonbücher entbehren einer gewissen Literaturzugehörigkeit. So wie Haruki Murakami? Oder wie Martin Walser ("Tod eines Kritikers")? Oder wie der späte Günter Grass ("Ein weites Feld")? Alles Lieblingsfeinde von MRR. Alles Literatur im weitesten Wortsinn von MRR, Bücher im engeren. Doch am wunderbarsten hat er uns den Spiegel bei der Fernsehpreisverleihung 2008 vorgehalten. Er könne diesen Preis nicht annehmen; denn das, was da auf der Glotze täglich geboten würde, sei unter seiner Würde. "Alles Köche!", rief der Mann. Alles Telefonbuchautoren!, ließe sich auch übersetzen. Genau so ist die Welt, eine Telefonbuchwelt. Und ohne MRR wüssten wir das nicht. Dienstag, 18. Mai 2010Kommentare (0) Trackbacks (0) Happy 60, Herr Gottschalk!
Es gratuliert Klaus Kinski:
Gottschalk, der blanke Wahnsinn, oder?! Na sowas mit 28! Donnerstag, 18. Februar 2010Rügen im Winter 2010Film: cujau.de Donnerstag, 31. Dezember 2009Montag, 7. Dezember 2009Kommentare (0) Trackbacks (0) Ein bisschen Zeitung - niiuEine taz, eine FR, eine Morgenpost, ein bisschen Klatsch - alles in einer Zeitung. Das Projekt - vielfach seit Monaten besprochen - heißt niiu, vielleicht deshalb, weil man niemals eine Zeitung so nennen würde; allerhöchstens ein Portal im Internet. Niiu - etwa eine Lautmalerei aufs englische new - neu oder news - Nachrichten. Alles neu jetzt, oder hau? Also was genau das bedeuten soll, weiß nicht mal Wikipedia, und das soll ja eigentlich beinahe alles wissen. Aber eben nur beinahe.
Und damit wären wir schon beim Produkt, Projekt oder der Patchwork-Gazette namens niiu. Sie wurde am Freitag geliefert, am Sonnabend und heute am Montag. Freitag rechtzeitig zum Geburtstag meiner Liebsten - eine Geburtstagszeitung mit eigenem Foto, dem richtigen Datum für das runde Feierfest. Und das gehlört schon zu den positiven Nachrichten im Detail. Alle drei Tage kam meine eigene gedruckte Zusammenstellung; nur zu reichlich unterschiedlichen Tageszeiten; die erste Freitag morgen, die zweite Sonnabend nachmittag, die dritte Montag vormittag. Dass es einen Wirtschaftsteil dann nicht gibt, wenn Sonnabend ist und man dennoch einen Wirtschaftsteil bestellt hat, darauf wird man nicht explizit hingewiesen. Ich weiß, das hätte ich wissen können (müssen). Nur darum geht es hier nicht. Auch ist die Reihenfolge der einzelnen Seiten im Ressort so innovativ wie wild durcheinander geraten. Einer Seite 10 der FR-Politik folgt eine Seite 5 des Tagesspiegels und anschließend eine Seite 4 - die Aufmacher-Politik-Seite - der FR. Die zweite Sportseite des Tagesspiegels liegt vor der ersten, eine nicht bestellte BZ-Titelseite erscheint mittendrin bis ziemlich am Ende in meiner Zeitung, dafür bleibt man mir den Lokalteil der Morgenpost schuldig. Bei niiu bekommt man alles ein bisschen: Ein bisschen taz, ein bisschen Morgenpost fürs Lokale, ein bisschen Frankfurter Rundschau fürs Feuilleton oder der Politik, ein bisschen Tagesspiegel für den Sport - in der Summe keine komplette, sondern in allem ein bisschen Zeitung. Und nicht zehn Zeitungen in einer, sondern zehn Ressorts verschiedener Zeitungen. Das kann spannend sein, oder soll es wirken. Niiu - eine Abkürzung für Häppchen-Journalismus? Der Reiz besteht ohnehin nicht darin, selbst Herausgeber spielen zu dürfen, sondern darin, aus verschiedenen Zeitungen die Stärken zu kondensen. Zumindest von denen, welche in das Projekt involviert sind mit ihren redaktionellen Inhalten - wohlweislich nicht ganz ohne Gedanken an eine spätere Nachnutzung durch den niiu-Konsumenten. Reibungsverluste lauern überall. In Ausgabe 1 fehlte komplett der Sportteil, in Ausgabe 3 das Morgenpost-Lokale, gab es bei den Internet-Inhalten sinnfreie Kommentarabdrucke Marke "Re: ähhhhhhh" mit Angabe des Urhebers und der Quelle - in dem Fall dem Nachrichten-Feed von kicker.de, und das gleich zweimal, oder jene Meinungsäußerung "Dallas - Du Scheißkerl". Das Internet wimmelt von Bauchkommentaren dieser Art. Und bei niiu kriegt man davon eine Verstimmung bei ensprechender Empfindlichkeit, wenn das dann so unvermittelt daherkommt. Eine Redaktion bei niiu scheint da nicht drüber zu schauen. Das sollten sie aber schleunigst. Schließlich drucken sie Inhalte auf einer eigenen Projektionsfläche - und so werden Inhalte auch gegendarstellungsfähig. Noch ist man sich bei niiu wenig schlüssig über die Gestaltung der Zeitung; abgesehen von der Titel-Marke. Auf der ersten und der letzten Seite werden im Fließtextverfahren, nur unterbrochen von Rubriken-Hinweisen, von oben links nach unten rechts Internet-Inhalte abgedruckt wiedergekäuert. So wurde Zeitung vor 180 Jahren gemacht - layoutresistent. Das Titelbild war die ganzen drei Tage gleich - ein hellerleuchtetes Brandenburger Tor bei Nacht. In ihrer Rund-Mail vom Wochenende an die Leser - die erhielt ich sicherheitshalber gleich neunzehnmal - teilten sie mit: "Nachdem die gröbsten Herausforderungen in der niiu behoben wurden bleiben noch unendlich viele Weiterentwicklungsideen für Portal, Mantelseiten und Verlagsseiten. Insbesondere das Titelbild 'Brandenburger Tor' können wir nicht mehr sehen. Wir haben schon von Anfang an geplant dieses durch ein tagesaktuell wechselndes Bild zu ersetzen. Das wird nun kurzfristig umgesetzt." Grob gesagt, eine eher späte Erkenntnis. Denn die Leser sollten am Produktwerdungsprozess nur insofern beteiligt werden, als dass sie Hinweise und Wünsche für die Zukunft ja äußern können, nicht aber ihnen gesagt wird, was alles schief läuft momentan. Was läuft denn noch so alles schief, sei dann mal sofort meine nächste Frage. Es ist durchaus spannend, die Titelseite der taz zu lesen, danach den Leitartikel der FR und den Sportkommentar zu Hertha BSC - alles in einem Blatt, zwischen Titel- und letzter Seite. Und hübsch wirkt auch, dass ich der Zeitung einen eigenen Titelnamen geben kann. Ich habe sie - völlig wertfrei und dafür umso mehr umgebungsanlehnend - "Märchenbrunnen" genannt. Und dann sehe ich auf meiner niiu-Portalseite, dass sie sich jetzt für ein neues Titelbild entschieden haben. Viel Ozeanwasser mit einem Boot. Na dann, Mast und Schotbruch! Oder droht die Klimakatastrophe? Oder von beidem ein bisschen? |
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